Donnerstag, 26. Mai 2016

Ich hab die Nähte schön!*

Ich bin ein Freund von sorgsamer Verarbeitung!
Da mein Mantel kein Futter bekommen wird und somit der Blick auf die Nahtzugaben frei bleibt, habe ich beschlossen, die Kanten mit einer sogenannten „HongKong-Einfassung“ zu verschönern. Dabei werden alle Zugaben mit Schrägband eingefasst…
„Boah- was für eine Arbeit! Wieso ratterst Du da nicht einfach mit der Overlock lang- ist doch auch ordentlich… Und innen sieht das doch keiner….“
Ja- stimmt schon- diese Art der Versäuberung ist etwas aufwändiger- aber ich finde sie einfach wunderschön. Ich möchte nämlich das Innenleben meiner Nähwerke nett haben- auch wenn nur ich drauf gucke. Macht mich einfach zufriedener und glücklich.
Und Nähen soll doch glücklich machen...

Hier also der aktuelle Zwischenstand- mit eingefassten Nähten:

Leinenmantel Honkkong Einfassung Bandeinfasser Bernina Blick aufs Innenleben

Die Einfassungen gingen wirklich flott von der Hand…
Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich seit neustem tolle Helferlein habe, die solchen Schrägbandeinfassungen den größten Schrecken nehmen.


Bei den Bernina Blogger Days hatte ich mir den Bandeinfasser #87 für meine Bernina gekauft.
Der ist für fertig gefalztes Band in 20mm Breite gedacht und ich hatte ihn ausgiebig beim Nähen meiner Bernina-Schürze probiert und war begeistert.
Daheim haderte ich ein wenig mit meiner Wahl- vielleicht wäre der #88 Fuß doch besser gewesen:
Der ist nämlich für ungefalztes Band und spart bei selbstgeschnittenen Schrägstreifen das Vorbügeln…

Netterweise hat Bernina mir nun diesen besagten Fuß zur Verfügung gestellt und ich kann direkt vergleichen und probieren, welcher denn nun DER optimale Bandeinfasser für die verschiedenen Bedürfnisse ist. Wenn ich ausgiebig durchprobiert habe, werde ich mein persönliches Fazit ziehen und Euch natürlich daran teilhaben lassen...

Bernina #87 #88 Vergleich Bandeinfasser

Den Bandeinfasser #88 (für 38mm Schrägband ungefalzt) nutze ich zum Start also gleich mal für mein Mantelprojekt.
Da ich zur Zeit brav Stoffvorräte abbaue, fiel meine Materialwahl auf ein simples Taftfutter in fröhlichem Schwarz. Ich hatte vor ewigen Zeiten ein großes Stück zum Schnapperpreis gekauft und dann festgestellt, dass es sich furchtbar statisch auflädt und zum Abfüttern untauglich ist (Merke: Nie beim Futter sparen!)
Für die Schrägstreifen sollte es aber reichen.
Also- erstmal fleißig Streifen geschnitten! Da ich ja massig Stoff hatte, konnte ich schön lange Stücke schneiden und musste keine Streifen zusammensetzen.
Dann konnte es losgehen: Der Bandeinfasser ist einfach zu montieren- nur beim ersten Mal muss man ihn an diversen Schrauben an seine Maschine anpassen. Übrigens- die Bilder in der mitgelieferten Anleitungen sind leider viel zu winzig, um etwas darauf zu erkennen. Zum Glück hat Bernina einen sehr gut gemachten Film online- damit ist das korrekte Einrichten kein Problem.

Dann ging es an die ersten Probenähte und es folgte zunächst Ernüchterung...
Der Streifen schwabbelte und flutschte und die Naht erwischte nicht immer das Band.
Kurz geflucht, um dann glücklich festzustellen, dass der Fehler mal wieder vor der Maschine saß:
Ich hatte vergessen, den leichten Stoff mit Sprühstärke zu festigen. Ziemliche Dummheit, denn wenn ich mich gleich an den Tipp erinnert hätte, dann wäre ja auch das Schneiden der Streifen viel leichter gegangen.

Hongkongnähte Probenähte Bandeinfasser Bernina #88 #87

Nun klappte es gut- wobei ich sagen muss, dass der sehr dünne Stoff auf dem dicken Leinen nichts verzeiht. Es war recht knifflig die Schnittkante bis ganz an die Bruchkante zu bekommen und ab und an gab es leichte Schrägzüge. Hier wäre ein anderer Stoff zum Einfassen bestimmt die bessere Wahl gewesen. Beim nächsten Mal! Und Übung macht bekanntlich den Meister. Aber es ist schon klasse, wie schön gleichmäßig und perfekt die Naht auf beiden Seiten wird und wie flott es geht.

Anfanges wollte ich übrigens die Zugaben einzeln einfassen und dann die Nähte auseinanderbügeln. Doch am Ende gab es jetzt zusammengefasste Zugaben, die ich von außen einmal schmal abgesteppt habe. Halbe Arbeit - halb soviel Stoffstreifen und das Ergebnis gefällt mir sehr.
Weiter gehts nun mit meinem Projekt Leinenmantel: Zunächst Vlieseline aufbügeln, Kragen und Revers nähen und dann überlegen, was für Taschen mein Mantel bekommen soll.

Ich werde Euch berichten…





Diesen Beitrag ist verlinkt bei RUMS- der donnerstäglichen Kreativ-Linkparty.


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Der Bandeinfasser #88 wurde mir freundlicherweise von der BerninaAG zur Verfügung gestellt.


Kommentare:

  1. Tolle Sache mit dem Bandeinfasser. Und das Ergebnis ist einfach nur W O W !
    Das unterscheidet ja gerade Kaufkleidung von Selbstgeschneidertem. So schön!
    LG
    Astrid

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  2. super!
    (ich nähe fast alles mit schrägbandeinfassung auf altmodische weise)
    gruß

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  3. Krasse Aktion - finde ich total gut. Ich habe dafür keine Geduld. Auf das Endergebnis bin ich gespannt!

    LG Simone

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  4. Liebe Ute,
    ich kann dich voll verstehen, dass das Innenleben auch schön ausschauen soll. Ich bin auch eher perfektionistisch veranlagt. Die Füßchen sehen ja ziemlich kompliziert aus, aber das Ergebnis überzeugt! Danke, dass du uns immer so ausführlich berichtest, ich lerne viel von dir.
    LG Mona

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    1. Diese Bandeinfasser sind gar nicht kompliziert. Sie werden nur an die Maschine geschraubt und helfen, das Band im richtigen Abstand und ganz gleichmäßig zuzuführen. Ein Assistent/eine helfende Hand- sozusagen :)

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  5. Eine Augenweide deine Nähte. Gefällt mir sehr gut.
    Herzlichst Ulla

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  6. Liebe Ute!
    Bin heute auf Deinen Blog gestossen und begeistert!
    Man merkt, dass Du mit viel Herz(Blut) schneiderst!
    Ein toller Blog mit tollen Beiträgen...
    ... ich habe mich durch alle Beiträge geklickt...
    ...und freue mich auf mehr!
    Herzlich, ReNAHTe

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