Ein Verlag kündigt ein neues Buch an und ihr freut Euch unwahrscheinlich auf das Erscheinen. Voller Neugier und geschürter Hoffnung auf etwas ganz Tolles...?
So ging es mir, als ich das Buch des Topp-Verlages "Mode Schneidern. Das Buch; Alle Techniken und Schnitte, die man wirklich braucht" entdeckte. So ein vielversprechender Titel und als Tüpfelchen auf dem i, führt Inge Szoltysik-Sparrer die Autorenliste an. Edit: Mittlerweile führt sie die Liste bei der Buschbeschreibung nun nicht mehr an...
Ein Buch von Pingel-Inge?! Großartig dachte ich, schätze ich sie doch sehr als Fachfrau, die gern eine Lanze für die Kunst des Schneiderhandwerks bricht.
Allerdings steht sie nicht alleine auf der Autorenliste- auch die Autoren Jutta Kühnle,
Brigitte Binder, Tuula
Hepol und Karin Roser sind aufgeführt. Also fix mal Google bemüht und herausgefunden:
Tuula Hepol ist Ottobre! Die Vorfreude auf das Buch stieg. Die Zeitschrift macht wirklich schöne Schnitte mit Wandlungspotenzial und die Modelle auf dem Titel sind ja schon mal ganz nach meinem Geschmack.
Die drei anderen Damen stellten sich dann bei kurzer Recherche als Autorenteam des Buches "Nähen- Das Standardwerk" heraus... Und ab da ahnte ich dann schon, dass das neue Buch zumindest anteilig aufgewärmtes Material enthalten wird.
Und so ist es dann auch.
Das Buch ist ein Wälzer mit gut 300 Seiten. Für die
ersten 200 Seiten hat man einfach Teile aus dem alten Nähbuch
übernommen. Dann folgen 17 Ottobre Modelle je in den Größen 34-52. Eine
wirklich schöne Auswahl, mit der man sich eine nette Garderobe
schneidern könnte.
Ich sage extra, man könnte, denn leider sind die zwei beigefügten (und nur mit Klebepunkten befestigten) Schnittbögen unmöglich. Die Linien sind so hauchzart gedruckt und sie liegen durch die vielen Größen teils so dicht beieinander, dass man sie nur sehr mühselig abkopieren kann. Das bremst die Lust, gleich mit einem Projekt aus dem Buch zu starten, doch ganz erheblich. Dazu kommt, dass auch die Ottobre Modelle "aufgewärmtes" Material sind. Es sind keine exklusiv für das Buch gemachten Schnittmuster. Sie finden sich alle mit ein paar Klicks auf der Ottobre Homepage in den Heftarchiven. Immerhin hat man sich wohl die Mühe gemacht, die Modelle noch mal neu für das Buch zu nähen- in den Heften waren sie aus anderen Stoffen.
EDIT 2018: Mittlerweile hat der Verlag in den nächsten Auflagen wohl die Schnittbögen optimiert! Zumindest hatte ich auf der H&H Cologne eine Version in der Hand, die klar gedruckte Schnittbögen beinhaltete.
Damit ist mein größter Kritikpunkt wohl ausgeräumt :)
Und die Profitipps von Inge?
Die sind gut- aber es sind wirklich nur 17 kleine Textkästchen und auch eher allgemeiner Natur. Sie finden sich jeweils bei den Schnitten- weisen aber oft nur einen kleinen Bezug zu den jeweiligen Modellen auf.
Ich bin wirklich enttäuscht von diesem Buch. Vor allem weil Cover, Titeltext und die Erwähnung von Inge Szoltysik-Sparrer bei mir echt Hoffung auf etwas Besonderes geweckt hatten. Es wäre fantastisch gewesen, wenn die Techniken jeweils modellbezogen erklärt worden wären und man sie direkt in einem schicken Kleidungsstück hätte umsetzen könnte. Das Ganze dann gekrönt von raffinierten Fachwissen und ich wäre so glücklich gewesen.
Doch für das Buch wurden einfach ein gekürztes Grundlagenbuch, 17 Modelle aus alten Ottobre-Heften mit den recht sparsamen Heftanleitungen, zwei blass gedruckte Schnittbögen und 17 kleine Tipps von einer Schneidermeisterin zusammengefügt.
Fazit: Lieber die knapp 30€ in ein komplettes Grundlagenbuch investieren, Ottobre-Hefte kaufen und hoffen, dass ein Verlag irgendwann wirklich mal eine "Nähbuchperle" auf den Markt bringt.
EDIT 2018: Mittlerweile hat der Verlag in den nächsten Auflagen wohl die Schnittbögen optimiert! Zumindest hatte ich auf der H&H Cologne eine Version in der Hand, die klar gedruckte Schnittbögen beinhaltete.
Damit ist mein größter Kritikpunkt wohl ausgeräumt :)
Einen tollen Tipp für ein gutes Grundlagenbuch hatte ich übrigens HIER verbloggt.
Meine Nähbibel- "Alles selbst genäht"* ... ;)
Das Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise vom Topp-Verlag zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unberührt.























