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Montag, 16. November 2020

Besonderem Stoff reicht ein schlichter Schnitt

In meinem Kleiderschrank findet sich kein Bunt und nicht viel mit Musterung. Auch wenn ich mittlerweile meine Liebe zu Streifenstoffen entdeckt habe, ist es sonst gern uni bei mir. Aber Einfarbig muss ja nicht langweilig sein, denn manchmal findet sich ein toller Stoff, der über seine Struktur für einen Blickfang sorgt.

Jaquard-Jersey

So auch der Stoff für meinen neuen Jerseymantel: Ein Coupon vom Stoffmarkt-Wühltisch, ein kleiner Glücksgriff. Die Brennprobe ergab Baumwolle (evtl. Viskose) mit etwas Kunstfaser. In das freundliche Grau und die toll stukturierte Oberfläche habe ich mich gleich verliebt, doch bis zur Verarbeitung sollte noch einige Zeit vergehen.

Reifezeit

Leider war das Stück nicht all zu groß und die Warenbreite durch sehr seltsame Kanten arg eingeschränkt. So schieden einige erst angedachte Projekte aus. Doch irgendwann fiel mir der Schnitt ZsaZsa von Susalabim wieder in die Hände. Davon hatte ich im Lauf der Zeit schon vier Versionen genäht (siehe HIER) und mit etwas kreativem Schnittmustergeschiebe konnte ich aus dem knappen Stoff den Mantel in Gr. 38 zuschneiden. Genäht war er dann ganz fix und so kann ich ihn Euch jetzt glücklich präsentieren:

ZsaZsa Jaquard Jersey

Ich habe wie immer die Rückenabnäher weggelassen und diesmal auch auf die Seitenschlitze verzichtet, die ich bei meinen anderen Versionen zugefügt hatte. Der schlichte Schnitt und der so interessant stukturierte Jaquard passen perfekt zusammen. Ich finde nämlich, ein Stoff, der schon für sich ein Blickfang ist, braucht gar nicht viele Schnittmuster-Raffinessen. Je weniger Nähte das Muster unglücklich zerteilen, umso besser.

Kombination Strickmantel ZsaZsa

Schade, dass es nicht viel häufiger einfarbige Stoffe mit solch interessanter Stuktur gibt (vielleicht übersehe ich sie ja aber auch einfach...) Meist stolpere ich über Jaquards, die eher mehrfarbig oder sehr lebhaft gemustert sind und das ist dann nicht so mein Beuteschema.
Wie haltet Ihr es mit Stuktur & Co? Habt Ihr vielleicht eine tolle Quelle für solche Stoffe oder eine schöne Schnittmuster-Idee? 

Ich bin gespannt und freue mich über Eure Tipps





Donnerstag, 8. Oktober 2020

Hosenanzug mal anders: Mein Fischgrat-Duo

Das tatsächlich einmal ein zweiteiliger Hosenanzug in meinen Kleiderschrank einziehen würde, hätte ich nie gedacht. Vor allem nicht, weil eigentlich der Einzug einer herbstlichen Langbluse geplant war. Aber unverhofft kommt oft, denn ich verwarf meine ursprünglichen Nähpläne, als ich den wunderschönen grauschwarzen Fischgrat von Zuleeg auf meinem Zuschneidetisch ausbreitete. Der Hemdblusenschnitt war zwar schon vorbereitet, aber irgendwie rief die Flanellqualität nach meinem klassischen und heißgeliebten Marleneschnitt. Und als ich dann auch noch mit fleißigem Schnittmustergeschiebe den Schnitt von meiner kleinen Kastenjacke dazu quetschen konnte, war ich mehr als glücklich.

 Altbewährte Schnittmuster

 

Das Nähen ging prima von der Hand, die hochwertige Stoffqualität ließ sich klasse nähen und bügeln. Ich habe dem Stoff übrigens vor dem Zuschnitt eine sanfte Runde in der Waschmaschine gegönnt, natürlich im Wollwaschprogramm und mit Feinwaschmittel. Nach dem Trocknen und Bügeln habe ich dann den Strich des Stoffes bestimmt. Wollstoffe haben oft eine fühlbare Richtung und auch wenn sie hier nicht wirklich ausgeprägt ist, habe ich mich für entschieden, alle Teile in gleicher Ausrichtung zuzuschneiden.



 

Was und woraus?

Stoff
Herringbone Ebony von Zuleeg

Schnittmuster: 
Marlenehose: Neue Mode J22629, Schnittmuster Jäckchen: Burda 8806:
Beide 'out of print', schon oft genäht und verbloggt, u.a. HIER
Diesmal habe ich die Ärmel beim Jäckchen mit einer geschlitzten Blende verlängert.

Schnittmuster Shirt:  Frau Tina von Studio Schnittreif - HIER verbloggt

 


Was mich besondes froh an meinem neuen Zweiteiler macht, ist die Tatsache, dass beide Teile auch ganz wunderbare Solisten sind. Die Jacke ist perfekt zu Jeans & Co und der Stoff zeigt sich als angenehm wärmend. Die Marlenehose findet mit der dezenten grauen Musterung problemlos Anschluss an meine bestehende Garderobe. Die Hose hat übrigens ein Halbfutter in die Vorderbeine bekommen. Ich finde, das erhöht bei Wollhosen den Tragekomfort sehr und außerdem bleibt das gute Stück, trotz des weichen Stoffes, schön in Form.

Wenn Ihr auch einmal eine Hose mit solch einem Futter veredeln möchtet, auf dem Bernina Blog zeige ich Euch in einer bebilderten Anleitung, wie einfach das geht. Schaut unbedingt mal vorbei:

Halbfutter in Wollhose nähen

Und, ist es Euch auch schon mal so ergangen, dass Ihr eigentlich einen konkreten Plan hattet, aber dass Ihr dann beim Stoff streicheln nochmal komplett umgeschwenkt habt? Ich bin gerade sehr froh darüber. Der ursprünglich geplante Schnitt liegt nun erst mal im Schnittordner, aber wenn mir der perfekte Stoff dafür in die Hände fällt, dann gibt es auch noch die Langbluse.





 

Mittwoch, 5. August 2020

Kombinieren leicht gemacht – mit dem richtigen Basic-Shirt

Ich trage wirklich gerne Oberteile aus Jersey. Aber wenn es um das Nähen geht, gehört die elastische Maschenware nicht zu meinen Lieblingen. Bei schlichten Basicteilen habe ich deshalb gerne zu fertigen Kaufshirts gegriffen. Doch das soll sich nun endlich ändern, denn ich habe ein schönes Basic-Schnittmuster für mich entdeckt. Schlicht, fix genäht und wunderbar kombifreundlich. Das perfekte Teil für eine entspannte Capsule Wardrobe. Darf ich vorstellen:

Frau Tina von Studio Schnittreif


Schnittmuster Frau Tina Basic Shirt

Genäht in Größe M, ohne Änderung. Ich mag alles: Lockerer Sitz, leicht überschnittene Ärmel und ein schöner Rundhals-Ausschnitt. Da in meinem Stoffvorrat noch drei verschiedenen Jerseyqualitäten in Uni bereit lagen, habe ich meinen Nähflow gleich ausgenutzt und bin in Serie gegangen. Der blaue Viskosejersey war etwas nervig. Extrem schlubberiger Stoff macht eben nicht wirklich Freude beim Zuschneiden und Nähen- dafür trägt er sich danach aber herrlich lässig.
Ich frage mich übrigens, warum mir das Model nicht schon früher mal aufgefallen war, denn eine Neuheit ist der Schnitt nicht gerade. Aber besser spät als nie und so freue ich mich über einen neuen Schnittklassiker für mich.

Kombipartner


Ich bin froh, dass ich mit Frau Tina ein zurückhaltenes Oberteil gefunden habe, das sowohl zu Jeans, als auch zu meinen weiteren Marlenehosen eine eine gute Figur macht. Da ich sehr gerne Strickjacken und Jerseymäntel trage, habe ich nun ein vielseitiges Basisstück für darunter. Ich liebe Teile im Kleiderschrank, über die ich bei der Wahl der täglichen Garderobe nicht lange nachdenken muss.

Lockeres T-Shirt nähen


Das Oberteil ist übrigens so einfach zu nähen, dass ich jede Version mit einem schönen Streberstreifen* im Nacken versehen habe und trotzdem rasant schnell fertig war. Schulternähte nähen, Ärmel einsetzten, Ärmel- und Seitennähte schließen, Shirt säumen, das Bündchen an den Halsauschnitt nähen und zwischendurch immer mal kurz bügeln – das ist der ganze Zauber. Da ist es dann auch ein leichtes, den kleinen Streifen Jersey in den Nacken zu nähen, der die Overlocknaht dort sauber verdeckt.

Und ich freue mich jedes Mal beim Anziehen über das kleine liebevolle, kleine Detail- und dafür nähen wir doch, oder?






Verlinkt beim MeMadeMittwoch, dem monatlichen Treffpunkt der kreativen Selberschneiderinnen.


*




Freitag, 17. Juli 2020

Meine Frau Dana - Eine Bluse mit Luft nach oben

Schon etwas länger fertig und fotografiert- nun schafft sie es auch auf den Blog- meine Testbluse nach dem Schnittmuster Frau Dana von Studio Schnittreif. Genäht aus einem leichten Baumwollstoff in schönem Blauton mit aufgedruckten weißen Pusteblumen. Ich hatte ihn als wirklich günstiges Reststück im Stoffgeschäft mitgenommen und direkt nach dem Kauf vorgewaschen. Leider zeigte sich, dass der Druck nicht haltbar war und die Pusteblumen teilweise weggewaschen wurden. Das sah wirklich sehr unschön aus und ich legte das Stück leicht gefrustet erstmal in die Tiefen des Stoffregales
Als ich nun einen Teststoff für den Schnitt Dana suchte, fiel er mir wieder in die Hände. Der Blick auf die linke Stoffseite zeigte, dass dort die Pusteblumen sehr dezent, aber noch ganz gleichmäßig, zu sehen waren. Warum also nicht einfach die Abseite als Außenseite nehmen...

Einfach mal Links außen


Bluse Dana Schnittreif

Zum Schnitt: Frau Dana ist eine Bluse aus Webware, die mit Bündchen am Hals und an den (langen) Ärmeln verarbeitet wird. Besonderes Schnittdetail ist die schöne Schulterpasse, die die Schulternaht schluckt und der raffinierte Brustabnäher, der aus der vorderen Passennaht kommt. Im Rücken sorgt eine kleine Kellerfalte für luftige Weite. Ich habe Größe M genäht.
Mein Stoff reichte nur für 3/4 Ärmel, was ich aber sommerlich praktisch finde. Ich habe auf Bündchen an  den Ärmelsäumen verzichtet. Der leichte Stoff und elastische Ware bildeten irgendwie kein gutes Paar. Auch am Hals überzeugte mich der Jersey nicht- ich habe dort am Ende nochmal eingeklappt, so das nur eine schmale Paspel sichtbar blieb. Apropos- ich habe den Halsauschnitt vorne einen Tick tiefer nachgeschnitten. Die Originalform war mir irgendwie zu "flächig" auf der Brust. Für meine nächste Dana werde ich den gesamten Ausschnitt anpassen- im Schulterbereich darf es für meinen Geschmack etwas mehr Stoff Richtung Hals sein und V-Form nach vorn kann ich mir auch gut vorstellen. Die Schulterpasse habe ich übrigens doppelt verarbeitet- die Anleitung sieht hier einfachen Stoff vor- aber ich persönlich mag es lieber, wenn der Schulterbereich mehr Substanz hat und dazu auch noch von innen hübsch ist.

Frau Dana Schnittreif Detail

Mein Fazit: Ein wirklich schöner Schnitt für Webware. Den Halsausschnitt muss ich aber für meinen Geschmack noch weiter optimieren. Das nächste Mal werde ich einen etwas "dickeren" Stoff nehmen- denn leider haute bei meinem dünnen Stoff das Zusammenspiel mit Bündchen nicht hin.

Weil heute endlich mal wieder die Sonne in Flensburg scheint, bin ich übrigens prompt in die luftige Dana geschlüpft. Ich bin froh, dass der verwaschene Stoff doch noch Verwendung gefunden hat und auch wenn das Testmodel noch nicht das Optimum ist, freue ich mich über mein leichtes Sommerblüschen.

Und, wie ist die Wetterlage bei Euch so? Auch Sommermodus oder macht der Sommer gerade Pause und Eure Gedanken schweifen schon Richtung Herbst-Nähpläne ab... ?!





Sonntag, 5. Juli 2020

Der Griff zur Schere- endlich eine echte 7/8 Hose

Das Gute am Selbernähen ist, dass man sich so ziemlich alles individuell anpassen kann. Bei meiner Körpergröße von 178 cm muss ich mich also nicht über zu kurze Saumlängen bei gekauften Hosen ärgern, ich nähe mir eine Hose in Lieblingslänge selbst. Richtig lange Hosen liebe ich einfach- meine Marlenehosen schleifen also fast schon auf dem Boden. Vielleicht ein Jugendtrauma, als "Hosen shoppen" eher ernüchternd war, weil fast alle nur zum Knöchel gingen.
Meine Liebe zur Überlänge war jedoch bei meinem letzten Hosenprojekt eher hinderlich. Hier hatte ich Euch meine Hose vorgestellt:  Hose Arola .
Sie sollte 7/8 Länge haben- doch ich produzierte eine Hose in einer Wischiwaschi-Länge...
Die leichte "Hochwasserhose" wurde trotzdem getragen, aber überzeugte eben nicht 100%ig - also habe ich jetzt nochmal zur Schere gegriffen und die Hose um gute 5 cm gekürzt. Und weil die Zugabe es hergab, habe ich gleich noch kleine Seitenschlitze am Saum gemacht.

Et voilà




Nun bin ich glücklich und fühle mich wirklich wohl mit der Hosenlänge. Manchmal braucht es etwas Reifezeit und ich bin froh, mich langsam an die Lieblingslänge herangetastet zu haben. Mit dem Motto "Lieber erst mal zu lang" ist man ja auf der sicheren Seite, denn Abschneiden geht ja immer...






Mittwoch, 1. Juli 2020

Ausnahmsweise Blumen- mein neuer Hot Summer Dress

Der Sommer ist da und mit den steigenden Temperaturen fällt die Wahl der Garderobe meist auf "fluffige" Klamotten. Nichts soll einengen oder unnötig aufwärmen und daher stehen bei mir aktuell lockeres Leinen, leichte Jerseyröcke oder auch mal wieder die Rockbüx hoch im Kurs. Mit luftigen Sommerkleidern hingegen bin ich nicht so reich gesegnet. Da wäre das "Kleine Schwarze", aber das ist schnell mal zu schick für Alltag inkl. Hunderunde.

Sommerkleider


Schon im Jahr 2017 hatte ich mir jedoch einen "Hot Summer Dress" nach dem Schnittmuster von Schneidernmeistern genäht.  In Dunkelblau aus einem schwer fallenden, weichen Viskosestoff. Ein simples Schlupfkleid, in der Taille schön locker und mit dem abgerundeten Saum die Beine luftig umspielend. Kappnähte vorne und hinten lockern die schlichte Schnittführung auf. Seltsamerweise hat es das Kleid nie in den Blog geschafft- obwohl ich es im Sommer wirklich sehr gern und häufig trage.
Doch meine Version 2020 möchte ich Euch heute zeigen:



Blumenwiese


Wie Ihr sehen könnt, habe ich für das Kleid einen für mich doch eher ungewöhnlichen Stoff ausgesucht.  Blütenranken in Offwhite auf einem schönen Dunkelblau- eine glatte hochwertige Baumwolle, die dafür sorgt, dass das Kleid nicht knüllt und lumpig fällt und auch nichts durchscheint.
Ich habe die Saumlänge angepasst, der Schnitt sieht eigentlich Vokuhila* vor, aber das ist nicht so meins. Außerdem habe ich im Rücken zwei Abnäher eingefügt und den Auschnitt mit einem Beleg verarbeitet. *vorne kurz hinten lang


Im Kleiderschrank fand sich übrigens noch ein passendes Jäckchen - perfekt, wenn der nordische Sommerwind mal wieder auffrischt.

Ich bin wirklich sehr zufrieden mit meinem Sommerkleid. Es ist wunderbar für warme Tage und umspielt die Taille so locker, dass ein zusätzliches Sahneeis nicht direkt ins Auge fällt. Übrigens: Auch wenn ich das Motiv des Stoffes wirklich gerne mag, Muster wird trotzdem die Ausnahme bleiben. Über viele Jahre habe ich einfach eine zu große Uni-Liebe entwickelt...

Mit diesem Beitrag reihe ich mich beim MeMadeMittwoch ein- mal sehen, womit die anderen Selberschneider ihre Sommergarderobe aufgestockt haben.

Bleibt gesund und kreativ!

Nachtrag: 
Ihr findet jetzt auf dem Bernina Blog auch einen Beitrag von mir, in dem ich zeige, wie ich die dekorative Kappnaht in der hinteren und vorderen Mitte genäht habe: Kappnaht bei leichten Stoffen

Mittwoch, 6. Mai 2020

Hose Arola und die Sache mit der 7/8 Länge

Der Wonnemonat Mai und die Tatsache, dass ich nicht schon wieder einen MeMadeMittwoch verpassen wollte, haben dafür gesorgt, dass ich endlich meine Hose Arola fertig genäht habe. Viel zu lange lag sie hier schon zugeschnitten auf dem Tisch, doch mein Näh-Elan ging Richtung Null.

Einfach mal machen


Der Schnitt von Schnittquelle ist eigentlich eher für Leinenstoffe oder ähnliche Webware ausgelegt- doch ich wollte ihn erst einmal antesten und griff zu einem Stück schwarzen Crepe, der schon ewig im Stoffregal schlummerte. Ich habe mich für die schmale Variante der Hose entschieden. Bei der Länge reichte der Stoff nicht für die sonst üblichen Zugaben für meine Körpergröße von 178cm, aber da ja der Sommer naht und ich schon massig eher überlange Hosen habe, entstand in meinem Kopf eine schmalere, leichte Hose in 7/8 Länge...

Alles eine Frage der Länge


Als es dann gestern an das finale Festlegen der Hosenlänge ging, war ich aber doch etwas feige. Wie ihr auf den Bilder seht, wirkt die gewählte Länge vielleicht eher etwas "Hochwasser", als bewusst kürzer. Ich werde mal sehen, wie ich mit welchen Schuhen und Oberteilen kombiniere und dann vielleicht noch einen Tick anpassen.

Schmale Hose in 7/8 Länge Schnittmuster Arola von Schnittquelle

Der Schnitt ist schnell genäht- auch wenn ich mich am klassischen Reißverschluss etwas schwer getan habe. Zu selten arbeite ich diese Verschlussvariante- ich greife meist zum nahtfeinen Reißer.
Aber Nähen ist ein wenig wie Radfahren- verlernen tut man es nicht und so klappte die Geschichte mit dem Untertrittbeleg und tatsächlich auch das gefürchtetet Knopfloch im Bund.
Ich habe Größe 40 genäht und nur den Hüftbogen etwas abgeflacht. Die Hose sitzt angenehm locker, aber trotzdem wunderbar schmal. Ich mag den Formbund, der bis knapp unter den Bauchnabel geht und die praktischen und dezenten Hüftpassentaschen.

Die richtige Hosenlänge finden

Diese Arola wird auf gar keinen Fall meine letzte sein. Schon länger suche ich nämlich eine Hose, die im Alltag etwas praktischer ist, als meine geliebten superweiten Marlenehosen. Bisher habe ich als Alternative dazu nur richtig enge Hosen und die (er)trage ich je nach Tagesform nicht all zu lange. So greife ich dann oft zur leierigen Jeans- aber die ist halt nur praktisch und nicht schön.

Hose:
Schnittmuster Arola von Schnittquelle in Gr. 40, schmale Beinvariante

Top:
Vor langer Zeit fertig gekauft. Ich mag die Farbe sehr- ist so ein schönes Zwischending zwischen Grau und Braun

Jeserseyjacke:
HIER ausführlich vorgestellt- und auch damals schon mit dem gleichen Top getragen ;)


So, jetzt geht es erstmal für eine Kaffeepause in den Garten- die Sonne lacht und der Standkorb wartet. Dazu werde ich mir mein iPad schnappen und beim MeMadeMittwoch in den Werken der anderen Selberschneider stöbern.
Außerdem gibt es ja im Rahmen des #MeMadeMay2020 gerade soviel kreatives Input für eine Selbstgenähte und nachhaltige Garderobe- vielleicht beflügelt mich das, meine Nähprojekte nicht immer so auf die lange Bank zu schieben, wie diese Hose.

Bleibt gesund und fröhlich!



Nachtrag am 05.07.2020

Ich habe noch mal beherzt zur Schere gegriffen. Hier könnt Ihr die finale Länge sehen:
Endlich echte 7/8!


Mittwoch, 25. März 2020

Ein neues Outfit und zwei vielseitige Neuzugänge im Keiderschrank

Hier im Norden strahlt die Sonne. Es scheint, als wolle sie uns Kraft spenden und die gegenwärtige große Sorge ein wenig von unseren Schultern nehmen. Damit wir hoffnungsvoll und zuversichtlich bleiben in dieser schweren Zeit.

Und damit wir die schönen Dinge nicht aus dem Blick verlieren, gibt es heute endlich mal wieder einen Blogbeitrag zum Thema "Kleidung selber nähen". Ich habe mir nämlich zwei Neuzugänge genäht, die mich sehr zufrieden und glücklich machen.

Outfit aus Zuleeg Stoffen

Zunächst eine Blusenjacke nach McCall's 7387. Ich hatte das Schnittmuster hier schon einmal vernäht: Von der Leinentunika zur Kastenbluse
Das kurze und luftige Bluse trage ich ausgesprochen gerne - diesmal gab es eine längere Variante und ich habe eine Größe kleiner genäht. Letzteres war übrigens keine tolle Idee, denn um die Hüfte herum fehlt jetzt Platz. Bei der Kurzversion fiel das natürlich nicht auf- die kam mir ziemlich riesig vor. Wenn ich die lange Bluse in Größe S nun schließe, bildet sich durch die raffinierte doppelte Rückenfalte nämlich in Höhe Po eine O-Form, die nicht wirklich schmeichelhaft ist.

Auf gut Deutsch: Dat mokt en grooten Mors!


Da ich so eine Bluse aber eh am liebsten offen und wie eine lässige Jacke trage, bin ich trotzdem happy. Ich liebe die Ärmellänge, das Detail der verdeckten Knopfleiste und besonders die Rückenfalte. Und ich bin sehr glücklich mit der Stoffwahl.

Moonless Night von Zuleeg


Der Stoff ist ein Teil einer neuen Stoffkollektion der Weberei Zuleeg. 

 

Hose Assuan Schnittquelle

Das Outfit wird komplett mit meiner neuen Hose. Auch hier bin ich ein Wiederholungstäter- denn das Schnittmuster Assuan von Schnittquelle habe ich schon zwei Mal genäht. Beide Male aus Leinen und beides absolute Lieblingsteile: Blau ist mein bunt und Marlenehose aus Leinen
Diesmal habe ich die Hose aus einem Mischgewebe aus dem Werksverkauf bei Zuleeg genäht. Eigentlich hatte ich den Stoff bei meinem Besuch in der Wollweberei im letzten Jahr  ja für ein Jackenprojekt gekauft- aber die melierte Optik und das etwas robustere Material schien mir perfekt für eine schicke Hose. Nach dem Nähen in bewährter Größe 38 musste ich leider feststellen, dass ich etwas mehr Hüftgold mit mir herumtrage und der Stoff nicht so nachgibt, wie die Leinenstoffe der Vorgängerhosen. Da hatte ich nämlich eher das Problem, dass sie beim Tragen zu weit leierten. Die neue Assuan sitzt nun etwas knackig, aber noch gut tragbar. Wenn mein Elan wieder für ein wenig Sport und Chipsdisziplin auf dem Sofa reicht, dann ist das perfekt.

Kombistarke Teile selber nähen- unbunt

So freue ich mich nun also über zwei vieleitig zu tragenden Kleidungsstücke. Perfekt in meinem recht unbunten Farbschema, das mich nun schon lange sehr zufrieden macht:
Genügsamkeit beim Nähen
Unbunt glücklich
Farbpalette



Bleibt gesund und stark. Versucht Euch an den kleinen, schönen Dingen unserers eingeschränkten Alltags zu erfreuen. Kreatives Werkeln kann wunderbar ablenken und helfen, den Kopf ein wenig frei zu bekommen. Und begrüßt den Frühling! Er zeigt, es geht immer weiter- irgendwie eh und  irgendwann dann auch wieder gut.



Donnerstag, 12. Dezember 2019

Neue Kombipartner im Kleiderschrank

Es wird wirklich Zeit, dass ich Euch mal wieder selbstgenähte Garderobe zeige. Ich bin ja nun schon eine ganze Weile nicht mehr so produktiv, was das Klamotten nähen angeht. Das liegt zum einen daran, dass im Schrank eigentlich genug hängt- zum anderen jedoch auch daran, dass Nähen aktuell nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung ist. Stricken, Kochen, Basteln und so vieles anderes beschäftigt die Hände und der Kopf ist voll mit Ideen und Projekten rund ums traute Heim.
Trotzdem gibt es einen üppigen Projektstapel im Nähzimmer und zwei Teile sind nun abgehakt und ich habe sie fix mal angezogen und Bilder für Euch gemacht.

Hose Quin


Meine neue superbequeme Stretchröhre ist auf dem Nähdeernswochenende entstanden. Den Schnitt hatte ich schon einmal genäht und hier gezeigt: KLICK . Ich trage diese Hose wirklich super gern. Sie hat einen Gummibund und praktische Taschen. Außerdem nur einen Fake-Reißer - was das Nähen schön unkompliziert macht. Die neue, tiefschwarze Variante, ist aus einem etwas griffigeren Stoff und gefällt mir nochmals besser.

Details Strtchhose Quin Schnittquelle

Basic-Shirt


Auch beim Shirt bin ich Wiederholungstäter. Mein Wohlfühlshirt wird wohl noch in etlichen Versionen einziehen. Diesmal gab es Ringel und auch hier macht die schöne Schulterpartie wieder den Reiz des schlichten Oberteiles aus. Mit der kurzen, kastigen Länge ist es eher als Shirt zu meinen Marlenehosen gedacht- doch ich finde hier Kombi mit dem Strickmantel passt es auch zur engen Hose. Vielleicht ein gutes Beispiel für Capsule Wardrobe und die Vielseitigkeit von schlichten Teilen.

Ringel-Shirt Details

Zur Hose: 
Stoff: Stretch von Zuleeg (gekauft beim Werksverkauf vor Ort in Helmbrechts)

Zum Shirt:
Schnittmuster: Modell 101 aus der "Lust auf Handarbeiten"  05/2016 in Gr. 38
Ringeljersey: Gekauft bei Jippel Flensburg

Shirtmantel:
Schnittmuster: ZsaZsa von Susalabim (Gr.38 ohne Rückenabnäher)
Baumwolljersey gekauft auf dem Stoffmarkt 

Ich bin übrigens 178cm groß... ;)

So, und nun werde ich mal sehen, welchen Punkt auf meiner vorweihnachtlichen To-Do-Liste ich als nächstes abhake. Die Liste ist zum Glück nicht erschreckend lang- wir haben beschlossen, kein Tamtam zu machen. Sogar das Weihnachtsbaum kaufen fällt dieses Jahr aus- ich habe mir tatsächlich den Metallbaum von IB Laursen gekauft, den ich auf der letzten Formland-Messe in DK so toll fand und werde ihn dezent begrünen und dekorieren. Mal sehen, wie mir Weihnachten ohne echten Baum so gefällt...

Also, genießt die Adventstage und denkt immer dran: 
Es ist Weihnachten- kein Wettbewerb!




Mittwoch, 7. August 2019

Capsule Wardrobe- Wunsch und Wirklichkeit

Mein Kleiderschrank hängt voll.
Ich habe jede Menge Hosen, Oberteile, Shirts, Jacken und ich kann sagen, dass ich all die
Kleidungsstücke tatsächlich mag. Ich bin schon lange meinen Farben treu und mein unbuntes Herz hüpft, wenn der Blick in den Schrank fällt. Und da ich das meiste des Inhaltes selber genäht habe, hängt mein Schneiderherz natürlich nochmal doppelt dran.

Gefüllter Kleiderschrank

Und trotzdem bin ich nicht ganz glücklich mit meiner Garderobe.
Vieles im Schrank wird nie getragen. Jedes mal, wenn ich etwas zum Anziehen aus dem Schrank hole, schauen mich die verschmähten Teile vorwurfsvoll an. Es scheint, als ob es vom Kleiderbügel meckert: Und was ist mit mir?
Ich greife zu einem relativ geringen Teil- immer wieder. Die sichere Bank, die Wohlfühlsachen, die ohne nachdenken zu müssen, kombiniert werden. Blöd nur, wenn der Kombipartner in der Wäsche ist. Oder wenn das Wetter nicht ideal ist, um eine weite Marlenehose zu tragen, weil es eben regnet und die Hosenbeine elend nass werden würden. Oder man die schmale Hose zyklusbedingt einfach nicht erträgt... Da endet es dann gern auch mal mit der schlabbrigen Jeans und nem leicht räudigen Shirt- nicht schön, aber praktisch.
Es müssen endlich Sachen weg, die zum Ballast werden. Zu viele Kleidungsstücke, die nicht getragen werden, nehmen mir den Elan, wirkliche Lieblingsteile zu nähen. Ich muss ehrlich zu mir sein:

Was trage ich richtig gerne und häufig und warum?


Ich möchte meinen Kleiderschrank gründlich ausmisten (und dabei natürlich meine Kleiderschrankdiät zur Hilfe nehmen) Ich werde meine ideale Garderobe überdenken und diesmal intensiver einfließen lassen, was ich wirklich brauche. Was nutzt mir das zehnte schicke Outfit für den Kinoabend, wenn der Alltag viel öfter was Hübsches und Praktisches für die Hunderunde braucht?

Mir schwirrt im Kopf herum, vielleicht bei Null zu starten. Also eine wirklich komplette Capsule Wardrobe durchzuplanen, ganz ohne zu versuchen, die vorhandenen Teile einzubauen.
Ist das vielleicht ein zu ehrgeiziger Plan? Oder würde gerade das die Sache tatsächlich erleichtern?
Als Aufhänger und Planungshilfe werde ich mir mein Fashion-Sudoku nochmal genauer ansehen- und die unzähligen BasicGarderobe Grafiken, die ich mit der Zeit auf Pinterest gepinnt habe.

Leinen Outfit selbstgenäht

Für den MeMadeMittwoch bin ich heute übrigens in eine sommerliche Gernetrag-Kombi geschlüpft.
Beide Teile schon vor einer ganzen Weile genäht, Top fertig gekauft und gerade bei sommerlicheren Temperaturen optimal. Die Fotos zeigen das typische Edelknitter und auch die Tatsache, dass Leinenhosen an den Knien und auch generell, gern beulig werden...

Wunsch und Wirklichkeit.

 

Mal sehen, wo mich die Idee hinführt und was dann am Ende dabei rumkommt. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich versuche meine Klamotten zu beschränken auf das, was ich wirklich gerne trage und was ich wirklich brauche.

Wie ist es denn bei Euch? Hadert ihr auch manchmal mit Euren Nähwerken? Nicht, weil ihr sie nicht mögt, sondern einfach, weil sie am Bedarf und echten Leben vorbei genäht sind?!








Mittwoch, 5. Juni 2019

Freundliches Grau - auf der Suche nach dem ultimativen Wohlfühl-Shirt

Es ist wohl mittlerweile bekannt, dass ich Unbunt sehr schätze. So ist es nicht verwunderlich, dass beim Stoffkauf für neue T-Shirts drei Jerseys in Grau in meine Einkaufstasche wanderten.
Verschiedene Qualitäten und eines sogar mit einem kleinen TicTacToe Muster.

Und pünktlich zum MeMadeMittwoch Juni 2019 habe ich nun meine drei neuen Shirts fertig und kann sie Euch vorstellen. Dazu sei aber angemerkt, dass ich leider nur mit einem Shirt restlos zufrieden bin- nämlich mit diesem hier:


Shirt in grau mit grafischen Muster

Ich liebe den locker sitzenden Schnitt, die schöne Ausschnittform und die Armellänge. Und ich mag die Qualität des Jerseys. Er hat genau den Anteil Elastan, der den Stoff noch griffig sein lässt. Er ließ sich schön vernähen und gut bügeln.

Aufgepasst bei der Materialwahl!

 

Den andere hellgrauen Stoff hatte ich übrigens als erstes zu einem Shirt vernäht und war ziemlich unzufrieden. Erst einmal war der Schnitt nicht wie erhofft und die Auschnittform so seltsam, dass sie nachgearbeitet werden musste. Und zum Zweiten hat der Jersey eine große Sprungkraft durch viel Elastan, somit ist der Fall nicht ideal für das Shirt. Am Ende versuchte ich noch mit einem Dackel-Plott die Liebe für das Shirt zu entfachen- aber das Fazit ist: Es ist ein nettes Schlafshirt!
Der etwas dunklere Viskose-Jersey wurde ein Wasserfall-Shirt. Von diesem Schnitt habe ich schon eine Variante in schwarz, die ich sehr gerne trage (siehe HIER). Aber auch bei diesem Shirt zeigte sich, dass Jerseystoffe einfach keine zuverlässige Konstante sind. Der Stoff ist etwas kräftiger in der Qualität- was das Verarbeiten zwar netter macht, als bei ganz dünnem Viskosejersey. Natürlich fließt das Ganze nicht ganz so schön und trägt ziemlich bauschig auf. Trotzdem ein nettes Shirt, dass nun in meine Garderobe integriert wird- aber ich merke da halt auch wieder, dass Jersey und Co mich immer wieder zur Verzweiflung bringen, weil ich falsch einschätze, wie sich das Material dann mit dem gewählten Schnitt verhält.

Dackel und Shirts

So richtig glücklich bin ich  also nur mit dem einen Oberteil. Als nächstes möchte ich unbedingt noch eine Version in Schwarz und eine in (blickdichtem) Weiß. Und ich brauche noch kombifreundliche Ringelshirts. Bevor ich mich aber zum nächsten Stoffkauf aufmache, werde ich meinen Kleiderschrank ausmisten. Vieles trage ich leider nicht, obwohl ich es mag. Es wird Zeit, dass diese Dinge weichen und ich meine Garderobe auf meine täglichen Bedürfnisse anpasse. Was nutzen tolle Blusen im Schrank, wenn ich feststelle, dass ich doch viel lieber Jersey trage. (Das ich allerdings Webware viel lieber nähe, als Jersey, ist ja eine andere Sache...)

Details von hellgrauem Shirt mit grafischen Motiv

Stoffe: selbst gekauft bei Jippel Flensburg

Wasserfallshirt: Burda 01/2013 (Mod.123) Gr.38, Saum geändert

Dackel-Schlaf-Shirt: Sew me, Shirt Relaxed, Schnitt hier zum freien Download, Gr.40

Lieblingsshirt: Model aus einer leider vergriffenen Ausgabe "Lust auf Handarbeiten"  05/2016
Ich habe den Schnitt in Gr. 38 bei einem Nähwochenende aus einem Heft kopiert.
Sollte jemand das Heft haben und es nicht benötigen- ich würde es so sehr gerne abkaufen! Ich habe schon ziemlich überall im Netz danach gesucht und hatte leider kein Glück.
Ich würde mir echt nen Keks freuen! 
Meine Blogleser sind die Besten :) Ich darf mich auf das ersehnte Heft freuen.







Mittwoch, 1. Mai 2019

Meine Strickjacke Minna - was ich an ihr mag und was leider nicht

Ich gestehe- Schnittmuster Minna von Fadenkäfer war ein klarer Fall von Verführung im Stoffgeschäft. Da hing nämlich eine hübsche fertige Version der Jacke - aus Strick in Dunkelgrau, recht oversize für mich, aber beim Reinschlüpfen war ich einfach begeistert: Eine lässiges Teil mit Kapuze und wirklich schöner Taschenvariante. Also wurde der Schnitt gekauft- obwohl hier im Nähzimmer noch reichlich andere Schnitte auf Umsetzung warten.
Daheim stellte ich dann leider fest, dass ich für den neuen Schnitt doch keinen passenden Stoff im Vorrat hattte. So zog der eine Kauf gleich den nächsten hinterher: Ich fand einen schönen JaquardStrick in Grau mit dunkelblauem Strichmuster und kaufte ausreichend für eine lange Variante von Minna mit Kapuze.

Strickjacke Minna


Jetzt ist meine Version genäht und ich muss gestehen, ein wenig ist die Begeisterung verpufft.
Das liegt vor allem an der Passform der Ärmel. Die Armkugel im Schnitt ist recht flach gehalten. Das sorgt zwar dafür, dass man die Arme prima heben kann, ohne dass die Jacke sich im Rumpf mit hebt- jedoch schlägt die Jacke am Oberarm sehr unschöne Falten und wirkt dort einfach zu weit. Wahrscheinlich ist das jetzt klassisches NähNerdJammern- würde keinem auffallen, wenn man nicht drauf hinweist. Außerdem könnte ich bei der Weite tatsächlich mal was Dickeres drunter tragen, ohne dass es am Oberarm spannt...

Positiv denken



Wie Ihr auf den Bildern sehen könnt, habe ich mich gegen eine Kapuze entschieden. Fand ich dann am Ende doch nicht so passend und außerdem reicht das Reststück nun noch für einen schönen Sommer-Jerseyrock…


Bei Abkopieren des Schnittes habe ich übrigens als erstes die Taschen optimiert. Ich mag es nämlich gar nicht, wenn die Beutel extra angenäht werden und dann auch noch an der oberen Kante nicht dem schrägen Taschenverlauf folgen.

Mittwoch, 27. März 2019

Fulton Sweater Blazer

Lange Zeit hatte ich immer mal wieder hübsche fertige Blazer gesehen, die eine ganz besondere Form des Kragens hatten. Er wirkte wie ein hochgeschlagenes Revers- ohne wirklich ein Umlegekragen zu sein. Ich habe gegrübelt, wie das wohl schnittechnisch am besten umsetzbar sei- aber in Ermangelung von wirklichem Konstruktionskönnen, machte ich mich irgendwann auf die Suche nach einem fertigen Schnittmuster. Leider war dieser Modetrend noch nicht bei den Schnittlabels zu finden und die Tatsache, dass ich nicht wirklich wusste, wie man denn so eine Kragenform nennt, machte die Suche nicht gerade leichter.

Doch kommt Zeit, kommt Schnitt. 


Plötzlich tauchten nämlich auf Instagram und diversen Nähblogs Bilder auf, die genau das zeigten, was ich vergebens gesucht hatte. Großartig! Es gab also tatsächlich ein Schnittmuster– nämlich den Fulton Sweater Blazer von Alina Sewing

Ich kaufte mir den PDF-Schnitt und ließ ihn mir auch gleich über einen Plottservice fertig ausdrucken. Bis zum Zuschnitt verging dann leider eine ganze Weile- und auch das Nähen schleppte sich arg. Das lag jedoch nicht am Schnitt und an der Anleitung- die sind sehr exakt und ausführlich- ich hatte einfach eine nähunlustige Phase...

Doch nun ist mein Fulton Mantel fertig und ich möchte ihn Euch gerne vorstellen:

Fulton Sweater Blazer in schwarz

Ich mag ihn sehr! Er sitzt wunderbar schmal- ich habe nach Maßtabelle die Größe 10 gewählt und bin zufrieden mit meiner Wahl. Aber es gibt auch ein klein wenig Verbesserungsbedarf:
Im Vorfeld hatte ich auf Fotos gesehen, dass die vorgesehene Saumverarbeitung vorne am Beleg etwas seltsam gelöst war.  Zwar besser gemacht, als die gruselige Stelle beim Mantel Ava von Hedi-aber mir gefiel es so nicht. Ich mag die Regel: Erst der Saum- dann die Kante. So habe ich den Beleg verlängert und es dort wie gewohnt genäht.
Eine weitere Stelle, die mir schneidertechnisch nicht gefällt, ist der Kragenansatz. Dazu gibt es ein ganz ausführliches Video und auch die Anleitung ist sehr detailliert- aber der Kragen wird eben zwischengefasst und das ist bei dicken Stoffen wirklich blöd. Das zeigte sich auch bei meinem Stoff und obwohl ich sorgsam Zugaben weggeschnitten und abgestuft habe, ist es ziemlich knubbelig geworden. Diese Stelle werde ich bei meinem nächsten Fulton Blazer auf jeden Fall anders lösen. Wäre vielleicht auch ein gutes Thema für ein kleines Tutorial hier auf dem Blog, oder?!

Fulton Sweater Blazer Detail

Mein Blazermantel hätte auch beinahe Taschen bekommen. Ich hatte sie sogar schon fertig - ganz ordentlich und schön mit Futter verstürzt. Aber beim Anstecken zeigte sich leider, dass sie mir nicht gefielen. Frau Smart schrieb auf Instagram so passend: Je länger die Jacke, desto Bademantel...
Also keine Taschen.

Mein neuer Kleiderschrank-Bewohner wird übrigens am Wochenende gleich ausgeführt. Es geht auf die h+h cologne, wo ich mich über die neusten Trends und Produkte der Handarbeitsszene informieren darf. Und wo ich natürlich jede Menge kreativer Leute treffen werde- das wird ein Bloggerfest ;)





Nachtrag:
Auch wenn ich hier an der Art der Verarbeitung an zwei Stellen herummäkel:
Der Schnitt ist wirklich super - und auch mit der original Anleitung kommt man zu einem tollen Ergebnis. Das kann man unter dem #fultonsweaterblazer bei Instagram sehr schön sehen.
Beim Kragen ist das Zwischenfassen vor allem eine einfache Variante, gerade wenn man noch nie einen Reverskragen gemacht hat. Aber wirklich schön wird das nur bei dünnen Stoffen und ist ursprünglich auch eher für Blusen gedacht.
Ich hätte an der Stelle also lieber ausgebügelte Ansatznähte, weil das dann flach wird und nicht aufträgt. Beim nächsten FultonBlazerSweater werde ich versuchen Fotos der Arbeitsschritte zu machen... ;)

Beitrag verlinkt bei SewLaLa

Montag, 11. März 2019

Der Weg vom Weihnachtskleid zum Frühlingsshirt

Als Stefanie von Schnittquelle Ende letzten Jahres das Jerseykleid Mayn vorstellte, hatte ich spontan Lust, mir doch noch ein Weihnachtskleid 2018 zu nähen. Die tolle Wickeloptik im Oberteil und das tief angesetzte Rockteil gefielen mir sehr und das Projekt schien eine schnelle Nummer zu sein.
Fix einen schwarzen Strickstoff bestellt, mit dezentem Silberglitzer und gradliniger Rippe - und vor meinem geistigen Auge stand ich schon weihnachtlich schick neben dem Tannenbaum...

Doch Stoffe online zu bestellen, kann Träume ganz schnell zum Platzen bringen


Denn leider zeigte sich, dass der gelieferte Rippenstick zwar ganz hübsch war- aber leider etwas strack und auch furchtbar transparent. Echt blöd- ich war sehr enttäuscht und die Lust auf das Kleid schrumpfte auf ein Minimum. So hatte ich mir das eben nicht vorgestellt...

Trotzdem hab ich das Kleid Mayn zugeschnitten- mit der Idee im Hinterkopf, ein schwarzes Top und einen Unterrock unter das Kleid zu ziehen. Das Nähen ging flott von der Hand- aber irgendwie wurde ich mit dem Ergebnis nicht warm. Der Stoff schmiegte sich nicht so schön und die Wickelfalten trugen vorm Bauch komisch auf- und trotz Unterrock war ich nicht glücklich mit dem durchscheinenden Rockteil. Es war einfach nicht mein erträumtes Kleid.

Aus Weihnachtskleid wird Weihnachtsshirt?

 

Also- Rockteil wieder ab und wild rumprobiert. Am Ende sah das Ergebnis dann so aus:


Ich habe das Oberteil etwas eingekürzt und statt Rock eine breite, aber eng sitzende Blende angenäht. Das gefiel mir ganz gut- aber der komisch steife Stoff ließ das Wickelteil immer wieder seltsam hochbauschen und ich war nur am zupfen und zuppeln. Ich habe das Oberteil dann auch nicht zum Fest getragen- vielleicht auch, weil ich immer noch ein wenig schmollte.

War eben nicht das erträumte Kleid... 

 

Da aber der hübsche Schnitt nichts für den doofen Stoff konnte, schnappte ich mir im Januar einen Viskosejersey aus dem Vorrat. Sehr dünn- daher für eine Kleiderversion nicht tauglich- aber der Schnitt Mayn bringt auch eine Shirtvariante mit. Wieder war das Nähen kein Problem und diesmal war ich mit dem Ergebnis gleich zufrieden- auch wenn der dünne Viskosejersey ziemlich leiert und der eigentlich schön hochgeschlossene Wickelteil ohne Top zu tiefe Einblicke zulässt. Außerdem war mir das Oberteil dann doch zu fröstelkalt für Januar.  So hing das Shirt auf der Schneiderpuppe im Nähzimmer und hat gewartet...


Nun aber naht der Frühling mit großen Schritten und es wird Zeit, mich endlich mal für eine Ärmellänge zu entscheiden. Denn noch immer sind die Ärmel ungesäumt und überlang...

Ich denke, es wird tatsächlich eine 3/4 Länge werden, denn als ich die Bilder hier für den Beitrag gemacht habe, habe ich festgestellt, dass ich die Ärmel gerne hochschiebe. Und da hat man dann schnell zuviel Stoff, der sich komisch an den Ellenbogen rafft.
Also, ab damit...

Das ist ja das Schöne am "Selber Schneidern" - man kann machen, wie man möchte.


Man näht zwar auch mal nen Flop- aber das ist nicht das Ende der Welt. Das verbucht man dann unter: Blöd gelaufen- aber Erfahrung gesammelt und draus gelernt.

Ich habe aus dem Glitzerstrickflop auf jeden Fall gelernt, dass Produktfoto und Beschreibung eben nicht immer darstellen können, wie ein Stoff in natura ist. Nichts geht über anfassen- ich werde also keine Stoffe mehr spontan und ohne Fühlmuster bestellen.
Am liebsten kaufe ich eh direkt vom Ballen in einem Ladengeschäft. Dann kann man probieren, anfassen und streicheln und am Ende die richtige Wahl für sich treffen.

Und- wie haltet ihr es mit Stoffkauf? 
Mögt ihr auch am liebsten erstmal fühlen, bevor ihr Euch entscheidet? Oder hat es bei Euch auch nur via Foto und Produktbeschreibung immer gut hingehauen?

Ich bin gespannt auf Eure Stoffkauf-Erfahrungen.




 

Donnerstag, 15. November 2018

Hose Quin von Schnittquelle

Schon vor längerer Zeit hatte ich mir bei Schnittquelle dieses Schnittmuster ausgesucht. Ich wollte gerne eine bequeme schmale Hose mit nicht zu niedriger Leibhöhe und Taschen. All diese Kriterien erfüllt Quin und zusätzlich ist es auch noch die perfekte Hose für die anstehende Adventszeit. Dank Gumminbund und Fakereißer bleibt sie nämlich auch bequem, wenn es mal wieder ein Plätzchen zuviel war…

Schmal, aber bequem.

 

Hose Quin Schnittquelle

Die Hose ist nicht besonders schwer zu nähen. Die Schnittteile passen- wie bei Schnittquelle gewohnt - wunderbar stimmig zusammen und Passzeichen und Beschriftung helfen bei der Orientierung.
Meine Stoffwahl hat mich allerdings ein wenig zur Verzweiflung gebracht. Das Material ist ziemlich dünn und dazu war es nur in Längrichtung dehnbar. Ich habe also quer zum Fadenlauf zugeschnitten - zum Glück ging das bei der Leinwandbindung ganz gut.
Aber die Schnittkanten rollten leider immer ein und beim Nähen dehnte alles
wegen des hohen Elastan-Anteils ganz furchtbar, so dass nicht jede Absteppung eine Punktlandung wurde. Doch da hab ich mich dann irdgendwann locker gemacht und es gibt einfach mal kein Pingelschleifchen.

Detailbilder Quin Schnittquelle schmale Hose

Quin sitz bei mir ordentlich knackig- das liegt vor allem daran, dass ich entgegen der Maßtabelle die Göße 38 statt die 40 gewählt habe. Bei Hose Assuan und dem Rock Pretin hatte ich gute Erfahrungen mit der knappen Größenwahl geacht- bei Quinn klappt es jedoch nur, weil der Stoff ordentlich stretchig und dünn ist. Sollte ich die nächste Variante aus festerem und dickerem Stoff machen, werde ich wohl etwas aus dem Puffer der breiten Nahtzugaben schöpfen müssen.

Mein Fazit

 

Eine sehr bequeme, schmale Hose. Ich mag die Leibhöhe, die bei mir knapp zwei Fingerbreit unterm Bauchnabel sitz und den Gummibund, der dafür sorgt, dass Quin sich auch hinten in der Taille schön anschmiegt. Die 7 Gürtelschlaufen halten meinen Gürtel super an Ort und Stelle. Bei meinen Kaufjeans sind es meist nur 5 und da kann man dann den Gürtel tatsächlich nicht so gut „enger schnallen“.

Schnittmuster Quin von Schnittquelle bekommt ihr hier als Fertigschnitt in Einzelgrößen und auch als Ebook im Größen-Doppelpack zum selber ausdrucken.

Auf den Fotos trage ich die neue Stretchhose kombiniert mit dem Stickpulli von HIER und dieser Jerseyjacke. 






 

 * Das Schnittmuster wurde mir von Schnittquelle kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ich gehöre zum Modell-Nähteam von Schnittquelle, bin aber ganz frei, welches Schnittmuster ich testen möchte und auch frei darin was, wann und wie ich darüber blogge.


Montag, 12. November 2018

Paspelknopflöcher nähen leicht gemacht

Spontan ist oft am besten und so gibt es heute einen völlig ungeplanten Blogbeitrag.
Auf Instagram hatte ich ein Paspelknopfloch gezeigt und aus den Kommentaren konnte ich lesen, dass viele von Euch diese Art Knopflöcher ganz toll finden, doch nicht so recht wissen, wie sie gemacht werden.

Handgestickt und Gepaspelt- zwei schöne Alternativen zum Maschinenknopfloch

 

Paspelknopfloch Schneiderknopfloch


Paspelknopflöcher sind kein Hexenwerk


In einem älteren Beitrag inkl. YouTube Video, hatte ich Euch ja schon gezeigt, wie man ein Schneiderknopfloch stickt. Da liegt es also nahe, dass ich Euch auch zeige, wie ich Paspelknopflöcher mache. Ich habe also in meiner Schublade gekramt und ein Hilfsmittel hervorgeholt, mit dem ich seit meiner Lehre solche Knopflöcher fertige.

Schablonenset Paspelfix Paspelknopfoch

Diese Schablonen erleichtern die Arbeit ungemein und auch wenn ich zwischendurch mal andere Techniken getestet habe- damit mag ich es am liebsten. Es geht wunderbar exakt und schnell.
Und wenn man den Bogen einmal raus hat, dann verlernt man das auch nicht mehr.
Ich habe heute das erste Mal seit einer Ewigkeit wieder welche gemacht und es klappte auf Anhieb prima.

Paspelknopfloch nähen

Das Nähen ging besonders gut mit einem Vernäh-Riegel auf der Stelle. Für gute Sicht habe ich den offenen Stickfuß verwendet- so näht man nicht versehentlich ins Plastik und kann beide Nähte exakt gleich lang arbeiten. Das ist wichtig für ein schönes Ergebnis. Ach ja- und die Stichgröße stelle ich immer etwas kleiner- so näht man nicht so leicht übers Ziel hinaus.

Paspelknopfloch Beleg

Der einzige Haken an Paspelknopflöchern ist, dass man sie nicht erst am Ende in ein Projekt arbeiten kann. Sie werden nämlich nicht, wie ein normales Knopfloch, direkt durch Oberstoff und Beleg genäht. Paspelknopflöcher werden erst nur in den Oberstoff gearbeitet. Danach markiert man die Position innen am Beleg und...

Paspelknopfloch Handarbeit

...dann schneidet man dort ein und säumt von innen per Hand gegen die Paspel. Das ist bei mir immer der Part, wo ich etwas aufgeregt bin. Im besten Fall sieht dann aber am Ende das Knopfloch innen und außen gleich hübsch aus.

Ist ja toll, aber was nutzt das, wenn man diese Schablonen nicht hat?


Meine Schablonen sind ja noch aus meiner Lehrzeit und somit kleine Altertümchen. Das Paspelfix-System ist aus dem Jahr 1961 und schien irgendwie in Vergessenheit geraten zu sein.

Eine Weile konnte man die Schablonen noch via A...on kaufen- aber offenbar ist leider diese Quelle nun auch versiegt. Vielleicht findet man sie mit etwas Glück noch irgendwo gebraucht.



Ein Tipp noch:
Auf den Bildern oben könnt ihr sehen, dass ich kleine Sandpapierstreifen auf die Schablonen geklebt habe. Das hat sich sehr bewährt, um ein Verrutschen auf dem Stoff zu verhindern.

Also, nix wie ran an die Paspelknopflöcher. Es tun sich vielfältige kreative Möglichkeiten damit auf, denn man kann die Paspel in Kontrast arbeiten und auch schräger Fadenlauf gibt einen tollen Effekt.
Viel Spaß!